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PAH-belastete, gesundheitsschädliche Recyclinggranulate auch in Kunstrasenplätzen der Schweiz ?

Schweizer Pressebericht:

"Deutschland und Italien schlagen Krebsalarm!

Wie gefährlich ist der Kunstrasen?

VON DOMINIK STEINER UND URS FRIEDEN 17.05.2006 | 23:59:38

ZÜRICH/BERN – Gibt es auch hierzulande krebserregende Stoffe in Kunstrasen? Unsere Nachbarländer schlagen Alarm.

Seit Februar 2004, als ein EU-Mann in der ARD-Sendung «Kontraste» Vorwürfe erhob, weiss man in Deutschland: Gummi-Granulate in der Füllschicht von Kunstrasen können krebserregende Stoffe, sogenannte polycyclische Aromastoffe (PAH), enthalten. Denn der Gummi wird aus alten Autopneus oder Industrie-Abfällen gewonnen.

Der Zürcher Kantonschemiker Christoph Bürgi sagt über die gefährlichen PAH: «Es sind dieselben Stoffe, die eine verkohlte Grill-Bratwurst ungeniessbar und ungesund machen.» In Bezug auf Kunstrasen warnt Bürgi: «Wenn die Aromastoffe aufgewirbelt und eingeatmet werden, ist das schon gefährlich.»

Derzeit wird im Stade de Suisse der erste Kunstrasen in der Geschichte der höchsten Liga eingebaut.
Sebastian Karrer, Chef der deutschen Lieferfirma Polytan, kann «nicht ausschliessen, dass PAH im Rasen ist». Denn auch im Berner Rasen finden sich, so Karrer, in der zweitobersten Schicht Gummi-Granulate aus alten Autopneus.
Stefan Niedermaier, CEO des Stade de Suisse sagt zu den BLICK-Recherchen: «Wir werden alles unternehmen, dass im Wankdorf-Kunstrasen kein einziges Granulat-Körnchen drin ist, das die Umwelt belasten könnte.» Er werde mit der Herstellerfirma sofort «unmissverständlich verhandeln».
Karrer verweist darauf, dass sein Rasen die Fifa-Zertifizierung («2-Sterne-Feldtest») erhalten habe. Leider hat der Weltverband aber die Gefahr von krebserregenden Stoffen nur im kleingedruckten Anhang erwähnt, dafür aber fussballspezifische Eigenschaften wie Stossdämpfung und Hautfreundlichkeit stärker gewichtet.

Der deutsche Experte Siegfried Lukowski fordert schon lange: Die Hersteller sollten den unbedenklichen EPDM-Gummi verwenden und nicht die mit Feinstaub versetzten Recycling-Granulate. Nur: Die Kosten für die sauberen EPDM-Granulate betragen das Zehnfache."

(Anmerkung SL-Team zu den o.g. Kosten des Granulates:
SBR-Granulat (recyceltes, schwarzes Granulat) kostet ca. 0,30 EUR/kg, EPDM-Neugummi grün kostet ca. 1,10-1,20 EUR/kg. Die Kosten für unbedenkliches Granulat liegen also ca. 4 x höher, was nicht heißt, dass der Kunstrasenplatz insgesamt dadurch 4 x teurer wird.)

"In Italien wurden bereits 200 mit PAH verseuchte Kunstrasen entdeckt. Die Debatte läuft heiss, vor allem, weil auch Schülerteams betroffen sind.

Bei Schweizer Belägen sind ähnliche Zustände möglich. Bisher gibt es aber keine Angaben dazu – es wurde noch nie ein Schweizer Rasen einem Test unterzogen.

Das Bundesamt für Sport ist zur Zeit daran, Richtlinien auszuarbeiten, die die Zusammensetzung der Kunstrasen einschliessen. Bis diese Bestimmungen Gültigkeit erlangen, liegt die ganze Verantwortung bei den Unternehmen. Und die wollen kostengünstig produzieren. Eine tickende Zeitbombe.

Im Wankdorf wird weiterhin gebaggert – trotz Einsprache der Grünen Partei, die eine Umweltverträglichkeitsprüfung verlangt. Die Grünen wussten jedoch bei ihrer Eingabe noch nichts von kanzerogenen Stoffen. Ihr Protest richtet sich gegen den Mehrverkehr, der durch zusätzliche Events wie Konzerte verursacht wird."

Das Wissenschaftsmagazin der EUROPÄISCHEN AKADEMIE BOZEN berichtete in seiner Augustausgabe 2006/2 über eine Expertentagung des EURAC-Instituts für Public Management zum Thema „Der Kick auf Kunstrasen“ über Vor- und Nachteile des künstlichen Grüns. Die Vorteile überwiegen nach Ansicht der Experten.

Als aktuelles Problem wird insbesondere Füllmaterial aus schwarzem Recyclinggranulat hingestellt. Es wird u.a. ausgeführt:

„In Italien wurde das Recyclinggranulat jedoch kürzlich verboten, als in einigen untersuchten Kunstrasenplätzen krebserregende Stoffe und Schwermetallrückstände gefunden wurden. Außerdem entwickelt das Granulat bei Sonneneinstrahlung eine enorme Hitze, was gesundheitsschädliche Dämpfe entstehen lassen könnte. Bedenkt man, dass tausende Kinder und Jugendliche tagtäglich auf solchen Plätzen spielen würden, ist ein gesundheitlich unbedenklicher Untergrund ein Muss. Die technische Entwicklung im Granulatbereich muss sicherlich noch weiter ausgereift werden.“ .....

Außer lungengängigem Feinstaub mit krebserregenden Stoffen auch noch gesundheitsschädliche Dämpfe ?

Was unternehmen die deutschen Sportverbände, die Kommunen, die AGS (Arbeitsgemeinschaft der Sportämter), die IAKS (Internationale Vereinigung Sportstättenbau), Umwelt- und Gesundheitsämter sowie die fördernden staatlichen Stellen ??
Bremsen die Sponsoren und/oder Lobbyisten ?
Konkrete und deutliche Hinweise des DFB zu dem Problem sind überfällig !

Das gegebene Problem ist durchaus sehr verantwortungs- und dennoch kostenbewußt lösbar, keinesfalls jedoch durch das von einigen Herstellern angebotene "Verstecken" des schwarzen Recyclinggranulates unter einer farbigen Umhüllung.


Weitere Infos:

www.SL-plan.de

sowie

http://www.stadionwelt.de/stadionwelt_business/index.php?site=news&news_id=293


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Bildergalerie zu diesem Artikel:
Granulat Kunstrasen [zeigen]
Autor: malu
Artikel vom 21.09.2006, 18:49 Uhr
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