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(SL - Team-Outdoor-Sport) |
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Kunstrasenplätze sind nicht pflegefrei !
Das Märchen vom "pflegefreien" Kunststoffrasenbelag wird auch von sehr optimistischen Produktanbietern nicht mehr verbreitet. Im Rahmen von Verkaufsgesprächen wird aber allzu unkritisch von "pflegeleichten" Kunststoffrasenbelägen gesprochen. Im Vergleich mit dem Naturrasenplatz ergeben sich durchaus Erleichterungen (kein Mähen, kein Düngen, keine ständigen Linierungsarbeiten, geringerer Bewässerungsbedarf).
Polverfüllte Kunststoffrasen benötigen jedoch ständige Pflege, insbesondere bei Polschichten aus geraden und langen Fasern. Gleiches gilt für Kunstrasenbeläge ohne Polverfüllung, um sie langfristig in einem gebrauchstauglichen Zustand zu erhalten. In der geltenden DIN-Norm wird im Abschnitt Benutzung und Pflege u.a. darauf hingewiesen, dass zur Erhaltung der sportfunktionellen Eigenschaften eine regelmäßige Pflege der Kunststoffrasenflächen notwendig ist. Bei gefüllter Polschicht ist die Fläche zu egalisieren. Füllstoffe sind entsprechend zu ergänzen. Besonders zu nennen sind diesbezüglich auf Fußballfeldern die Elfmeterpunkte und die Eckstoßbereiche. Art und Umfang der Reinigungs- und Pflegearbeiten hängen wesentlich vom Umfeld des Standortes (Baumbestand, Wald), vom Grad der Luftverschmutzung, der Beschaffenheit und dem Zustand der angrenzenden Flächen (z.B. in Windrichtung liegende Sand- und Tennenflächen, Sprunggruben, offene Ackerflächen, Vegetationsflächen) sowie dem Auftreten von Laubbefall, Moosen und Algen ab. Im Zusammenhang mit Algenbildung wird auch auf die Wasserqualität von Beregnungswasser sowie die Verschattung von Teilbereichen eines Platzes hingewiesen.
Für die Spieleigenschaften ist die Pflege in den ersten drei Monaten nach der Verlegung bereits sehr entscheidend. Durch regelmäßiges Bürsten mit gleichzeitigem Absaugen muss das Füllmaterial gelockert und gereinigt werden. Horizontal liegendes Fasermaterial ist wieder hoch zu bürsten. Bei täglicher normaler Belastung (bis ca. 4 Stunden) reicht ein ca. zweistündiger Pflegegang pro Woche aus, sofern geeignete Geräte zur Verfügung stehen. Durch eine sachgerechte Planung der Rand- und Übergangsflächen sowie durch die Standortauswahl und Umfeldgestaltung bei Neuplanungen kann und muss auch der Planer die Voraussetzungen für einen vertretbaren Wartungsaufwand schaffen und den Bauherrn ggf. über besondere Anforderungen eines Belagtyps an die Pflegeleistungen vorab informieren. Er muss den Pflegebedarf eines Produktes einschätzen können und die realistischerweise zu erwartende Pflege bei der Auswahl berücksichtigen.
Eine faire Information über den situationsbezogen zu erwartenden Pflegeaufwand gehört zur Beratungspflicht des Planers und sollte eigentlich auch für den Produktverkäufer selbstverständlich sein. Vom Belaghersteller ist eine Nutzungs- und Pflegeanleitung zu übergeben. Die Aushändigung einer Pflegeanleitung zum verlegten Belag vor der Abnahme ist als verbindlicher Leistungsbestandteil anzusehen ! In der Anleitung sollten Angaben zur Sportnutzung (z.B. Sportschuhe, Noppenschuhe, gleichmäßige Belastung der gesamten Fläche), zur außersportlichen Nutzung (Befahrbarkeit, multifunktionale Nutzungen), ggf. zum Ergänzen und Erneuern des Füllmaterials (Quarzsandkörnung, Gummigranulat, Austausch von Granulat und/oder Sand), zum Abziehen (Gerätebeschreibung, Häufigkeit), zu Reinigungserfordernissen (auch zur Erhaltung der Wasserdurchlässigkeit), zur Bewässerung bzw. Befeuchtung, zur Durchführungen von Intensivreinigungen bzw. Grundüberholung (Befahrbarkeit, Häufigkeit) und zur Durchführung von Reparaturen an Nähten etc. enthalten sein. Letztere sollten möglichst durch Fachfirmen und nicht durch das Platzwartpersonal ausgeführt werden, da diesem in der Regel geeignete Spezialgeräte und geeignete Kleber nicht zur Verfügung stehen. Die Auskünfte der Hersteller zur Notwendigkeit der Bewässerung oder Befeuchtung von Kunststoffrasenbelägen wechseln. Einigkeit besteht bei Herstellern und Nutzern, dass Kunststoffbeläge ohne Polverfüllung bewässert werden müssen, um Verbrennungen vorzubeugen und das Gleitverhalten zu verbessern. Unbedingt notwendig ist die Bewässerung
von Polschichten aus Polyamid (Nylon) auf Hockeyfeldern. Die Nylonfaser nimmt Wasser auf und wird geschmeidiger und weicher. Abrieb wird reduziert. Bei Kunststoffrasensystemen mit Polverfüllung sind viele Hersteller der Auffassung, dass man sich die Kosten für den Einbau einer Versenkregneranlage sparen kann. Befürchtet wird ein schnelleres Verfestigen der Sandschicht durch Beregnung und bei hartem Wasser das Einbringen von Kalkausscheidungen in die Polschicht. In Brunnenwasser können auch zu hohe Eisen- oder Mangananteile enthalten sein, die u.U zu braunen oder schwarzen Verfärbungen der Polschicht führen. Ebenso kann Algenwuchs durch die Bewässerung gefördert werden, insbesondere, wenn die Polschicht längere Zeit nicht gereinigt wird oder das Beregnungswasser aus Teichen entnommen wird. Eine Wasseranalyse muss durchgeführt werden. Für eine Befeuchtung von polverfüllten Kunststoffrasensystemen sprechen :
- die zusätzliche Optimierung der sportfunktionellen Eigenschaften (Gleiten, Drehen, Sliding, Ballspringverhalten, Ballrollverhalten)
- die Erhöhung der Schutzfunktion für den Sportler (Vermeidung von Verbrennungen und Verstauchungen, Bindung von gesundheitsschädigenden Feinstäuben)
- Geringerer Abrieb und geringerer Verschleiß des Fasermaterials und der Füllstoffe (Feinstaubreduzierung)
- Erhöhung der Scherfestigkeit von mineralischen Baustoffen
- Schnelle Löschmöglichkeit im Brandfall bzw. bei Vandalismus sowie vorbeugende Reduzierung der Brennbarkeit. Optimal lässt sich Bewässerung bzw. Befeuchtung über Versenkregneranlagen durchführen, wobei die Randregner möglichst außerhalb der Kunststoffrasenfläche eingebaut werden sollten. Bei polverfüllten Kunststoffrasensystemen sollten zumindest Hydranten mittig an beiden Spielfeldlängsseiten vorgesehen werden, um hier im Bedarfsfall mobile Stativregner oder selbstfahrende Großflächenregner über Schläuche anschließen zu können. Die Befeuchtung ist dann allerdings sehr zeitaufwendig und unterbleibt daher zumeist. Schnee und Eis schaden dem Kunststoffrasenbelag nicht. Will man Schnee beseitigen, sollte das mit Holzschiebern, keinesfalls mit scharfkantigen Metallschiebern geschehen. Auf keinen Fall dürfen Streusalz und/oder sonstige chemische Enteisungsmittel engesetzt werden. Bei einem Einsatz von selbstfahrenden Schneeräumern (nur Kleingeräte !) besteht die Gefahr, dass durch zu schnelles Befahren und/oder eine zu flache bzw. nicht neigungsentsprechende Einstellung des Räumschildes, die Nahtverbindungen beschädigt werden. Reparatur im Rahmen der Gewährleistung kann dann nicht erwartet werden. Auch bei optimaler Pflege ist die Dauer der einwandfreien Funktionserfüllung bzw. Gebrauchstauglichkeit begrenzt. Sie hängt auch der Nutzungsintensität, von der Faserstruktur und Faserlänge sowie von der Abriebfestigkeit , von der UV- und Wärmestabilität sowie dem Alterungsverhalten des Fasermaterials (PP, PE oder PA) ab. Die Anforderungen der Norm sind auch diesbezüglich Mindestanforderungen, die von den Produktherstellern im Sinne der Verbraucher durchaus weiter verbessert werden können und dringend verbessert werden müssen.
Versuche auf Kosten der Verbraucher sollten nicht zugelassen werden. Weitere Informationen enthält die Hompage www.SL-plan.de (Rubrik: Kunstrasen).
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Autor: malu
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Artikel
vom 23.08.2005, 19:52 Uhr
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