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WM-Rasen nicht bundesligatauglich ?

Die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet am 23.08.06:
"Der Rasen im Stadion von Borussia Dortmund muss nach nur einem Bundesliga-Saisonspiel ausgetauscht werden. Das extra für die WM verlegte Grün habe zwar die Vorgaben des Weltverbandes erfüllt, jedoch nicht zu den örtlichen Gegebenheiten gepasst und sei nicht richtig angewachsen."

Kommentar SL-Team:

Verlegt wurden in den WM-Stadien 35 mm dicke "Dicksoden".
Der Boden der Soden entspricht primär den Bodengegebenheiten der Anzuchtstellen in Holland (Fa. Hendriks) oder an der hessischen Bergstraße (Fa. Büchner).
Die Bodenzusammensetzung (Körnung, sandig, u.U. bindig, organische Substanz) stimmt (trotz Verbesserungsmaßnahmen) nur zufällig mit der Zusammensetzung der vorhandenen Tragschichten in den WM-Stadien überein. In Dortmund "passte der Boden nicht zu den örtlichen Gegebenheiten". Die Bodenzusammensetzung der vorhandenen Tragschicht wich von der Bodenzusammensetzung des Dicksodens aus Holland ab.
Aus langjähriger Erfahrung mit Fertigrasen aus Holland wird angenommen, dass insbesondere der Anteil an organischer Substanz in den Dicksoden höher ist, als in der vorhandenen Tragschicht im WM-Stadion Dortmund. Dadurch erhöht sich auch die Speicherfähigkeit für Nährstoffe und Wasser im Soden.

Mit 35 mm Sodendicke wird auf die vorhandene Tragschicht eine "Minitragschicht" gelegt, die aufgrund ihrer Dicke und Eigenlast zwar sehr schnell bespielbar ist, die aber bei abweichender Bodenzusammensetzung keine Verbindung mit der vorhandenen Rasentragschicht eingeht (Kapillarbruch). Die Wurzeln aus der Dicksode wurzeln gar nicht oder unzureichend in die vorhandene Tragschicht ein. Verstärkt wird die unzureichend Einwurzelung durch sehr speicherfähige Soden, aufgrund hoher organischer Substanz oder sehr feiner Verteilung dieser organischen Substanz im Anzuchtboden.

Die Versorgung mit Nährstoffen und Wasser aus nur 35 mm - 40 mm Boden ist zwangsläufig in Stressperioden und auf Dauer unzureichend. Die Rasendecke dünnt aus und ist nicht mehr ausreichend belastbar und scherfest.

Bedingt abhelfen kann man durch bodenmechanische Maßnahmen, wie aerifizieren mit Hohlspoons und Besandungsmaßnahmen, um so eine Verzahnung und Angleichung der beiden Bodenschichten zu erreichen.
Die Zeit dazu fehlt zumeist in den Ligastadien.

Dortmund wird also nicht das einzige WM-Stadion sein, in dem Dicksoden zu Rasenproblemen führen.

In den deutschen Regeln der Technik (DIN 18035, Teil 4) ist für Fertigrasen (Rasensoden) auf Sportflächen eine Sodendicke von 15 – 20 mm vorgegeben.
Es wird dringend empfohlen, von einer großflächigen Verlegung dickerer Soden abzusehen !

Aufgrund der geringeren Eigenlast ist 20 mm dicker Fertigrasen - weitgehend unabhängig von der exakten Gräserzusammensetzung - erst nach ca. 5-6 Wochen bespielbar.
Es ist verständlich, dass die FIFA-Verantwortlichen so lange nicht warten konnten und wollten. Die Empfehlungen des Rasenkompetenzteams mussten sich richtigerweise an den speziellen Nutzungsanforderungen der WM orientieren.

Festzustellen ist aber auch, dass die in DIN 18035, Teil 4 genannte Sodendicke von 20 mm nach wie vor gilt und "Regel der Technik" ist.
Was für die WM wegen der erforderlichen schnellen und intensiven Nutzbarkeit durchaus richtig war, kann und sollte keine Allgemeingültigkeit im Rahmen der Verwendung von Fertigrasen in Stadien erhalten. Die "Naturrasenprobleme" in den engen Fußballstadien werden dadurch erhöht.

Von der großflächigen Verlegung von Dicksoden wird abgeraten. Dicksoden eignen sich allenfalls für die Ausbesserung kleinerer Teilbereiche (Torraum, Elfmeter-Punkt etc.).

Büro S. Lukowski - Darmstadt

www.SL-plan.de


http://www.stadionwelt.de/stadionwelt_business/index.php?site=news&news_id=293


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Autor: malu
Artikel vom 23.08.2006, 12:47 Uhr
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